Das Liebfrauenmünster zu Straßburg (französisch Cathédrale Notre-Dame de Strasbourg) ist ein römisch-katholisches Gotteshaus und gehört zu den bedeutendsten Kathedralen der europäischen Architekturgeschichte sowie zu den größten Sandsteinbauten der Welt. Wie die Stadt Straßburg im Allgemeinen verbindet auch das Liebfrauen-Münster deutsche und französische Kultureinflüsse.

Das Münster wurde 1176 bis 1439 aus rosa Vogesensandstein an der Stelle eines abgebrannten Vorgängerbaus aus den Jahren 1015 bis 1028 errichtet, der seinerseits ein 1007 abgebranntes Gotteshaus aus karolingischer Zeit ersetzt hatte. Das neue Gebäude entstand zunächst im romanischen, dann im gotischen Stil. Von 1647 bis 1874 war das Münster mit seinem 142 Meter hohen Nordturm das höchste Bauwerk der Menschheit.

Das Straßburger Münster ist mit seiner charakteristischen asymmetrischen Form (der Südturm wurde nie gebaut) bis heute das Wahrzeichen des Elsass und auch vom drei Kilometer entfernten deutschen Rheinufer, von den Vogesen und dem Schwarzwald aus sichtbar.

Astronomische Uhr [Bearbeiten]

Bemerkenswert ist die astronomische Uhr [9] im südlichen Querschiff. Ihre Vorläuferin, die sogenannte „Dreikönigsuhr“, wurde 1353 vollendet und stand an der Westmauer gegenüber der heutigen Uhr. Sie hatte bereits ein Kalendarium, Anzeigen für Gestirne und die Heiligen Drei Könige als bewegte Figuren, die zu jeder Stunde zu einem Glockenspiel die Köpfe vor der Jungfrau Maria neigten. Von dieser Uhr ist heute lediglich die bewegliche Figur eines flügelschlagenden Hahns erhalten. In der Westmauer des Querschiffs zeigen alte Stützsteine den Standort der Uhr an.[10]

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Astronomische Uhr, links daneben der „Engelspfeiler“

Im Jahr 1567 wurde durch den Stadtmagistrat der Bau einer neuen Uhr beschlossen. Mit der Konstruktion beauftragt wurden die drei Mathematiker Michael Herr, Christian Herrlin und Nikolaus Prugner, aber ihr Entwurf kam nicht zur Ausführung. Erst Conrad Dasypodius, ebenfalls Professor der Mathematik und Schüler Herrlins, schuf den endgültigen Plan, der dann durch die Gebrüder Josias und Isaak Habrecht ausgeführt wurde. Die Uhr, bereits mit astronomischen Anzeigen, Kalendarium und Planetarium versehen, wurde 1574 vollendet und lief bis 1789. Von dieser Uhr stammt das bis heute erhaltene Uhrengehäuse und ein Teil der Gemälde [10].

Nach fast 50 Jahren Stillstand des Mechanismus wurde dann im Jahre 1836 Jean-Baptiste Schwilgué vom Stadtrat mit der Renovierung beauftragt. Die Arbeiten an der Uhr begannen am 24. Juni 1838 und dauerten bis 1842.[10] Schwilgué konstruierte ein völlig neues Uhrwerk, dessen Funktionen einmalig in der Welt sind. Die Uhr zeigt die Erdbahn, die Mondbahn und die Bahnen der damals bekannten Planeten (Merkur bis Saturn) an. Am erstaunlichsten ist das Räderwerk, das in der Silvesternacht abläuft und das Basisdatum für die beweglichen Feiertage errechnet. Den Rekord für langsam drehende Zahnräder stellt wohl der Teil der Uhr auf, der die Präzession der Erdachse nachbildet – eine Umdrehung in 25.800 Jahren. Sie ist aber auch die einzige Uhr auf der ganzen Welt, die 13 Uhr schlägt.

Ein Nachbau der Uhr befindet sich im Powerhouse Museum in Sydney.

Turmbesteigung [Bearbeiten]

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westlicher Panoramablick von der Turmplattform aus

Die Turmplattform in Höhe von 66 m ist über einen Wendelstein im südlichen Turmfundament begehbar; der Abgang erfolgt im Nordturmfundament. Auch Voltaire[26] und der junge Goethe hatten diesen Aufstieg unternommen und ihren Namen in der rechten Ecke über dem Eingang zur Turmuhr bzw. am südöstlichen Ecktürmchen des Nordturms eingeritzt.[27] Der Blick reicht bei guter Sicht im Osten bis zum Schwarzwald, den Bergen bei Baden-Baden bis zum Blauen, im Westen und Norden bis zu den Vogesen und dem Odilienberg sowie im Süden dem aus der Ebene aufragenden Kaiserstuhl und, in der Ferne, dem Jura.

In früherer Zeit, zumindest bis 1942, konnte über einen der vier Ecktürmchen sogar der Nordturm bis unterhalb der Turmspitze bestiegen werden. Man gelangte zunächst bis zum Umgang zwischen den Ecktürmchen (106 m), der auch noch viele Jahre nach dem 2. Weltkrieg zugänglich blieb[28], und danach bis zur Laterne unterhalb der Turmspitze.[29]

„Den 20. Juli [1824]. Nun stiegen wir auf den Turm bis zur Plattform, wo eine unvergleichliche Übersicht des Elsasses, des Schwarzwaldes und der Vogesen ist und wo man den fertigen Turm so recht in der Nähe betrachten kann, ein Wunderwerk von kühner und schöner Ausführung. Kerll fand alles so über seine Erwartung und fiel, ohne daß wir anderen daran dachten, über Hirts Ausspruch, daß dies alles Barbarei sei, so entsetzlich her, daß es eine Lust war. Durch die über 100 Fuß hohen Spiraltreppen in den ganz durchbrochenen Türmen gingen wir bis zur oberen Spitze in die Höhe, Kerll überwand glücklicherweise eine Anwandlung von Schwindelund führte alles so gut wie wir aus, der Dicke Brandt stieg sogar noch höher in die kleinen Oktogone, welche die Spitze bilden, aber die Treppen wurden zu schmal und ließen seinen Körper nicht mehr durch. Vor allem erstaunte ich wieder vor der Konstruktion der Spitze, deren schräg anstrebende Steinmassen fast gar kein Widerlager zu haben scheinen. Der Anblick im Innern dieser in einer Spitze sich vereinenden Steinmassen ist höchst überraschend. Da wo diese Spitze anfängt ist der Turm noch einmal zugewölbt. Auf den Graten dieses künstlichen Gewölbes ruhn horizontal große Steinplatten, auf diesen geht man oben unter der Spitze und übersieht den oberen Bau sehr schön. Auch das schönste frei stehende Säulchen und Ornament gibt durch die Gediegenheit des Steins den Chartakter des völligen Vertrauens auf seine Festigkeit. Wieviel anders ist dies am Kölner Dom, wo überall Gefahr droht und man sich nirgends sicher fühlt. Als wir wieder bis zur Plattform hinabgestiegen waren, die schon an 300 Fuß hoch über der Stadt liegt, stärkten wir uns mit Bier, welches hier oben ausgeschenkt wird. Dieser prächtige erhabene Steinplatz ist überhaupt nicht bloß den kirchlichen Zwecken gewidmet, er ist allgemeiner Vergnügungsort. Überall in den herausgebauten schönen Balkons sind steinerne Tische und steinerne Banken zu fröhlichen Gelagen mit eingebaut. Man gibt Abendfeste mit Tanz und anderen Lustbarkeiten hier oben, und freut man sich dabei des alten Erwin von Steinbach, so wird das Werk ein wahres Monument.“

Karl Friedrich Schinkel, 30. Juni 1824, Zwei gotische Münster Straßburg und Freiburg[30]