Kloster Allerheiligen (Schwarzwald)

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Ruine der Klosterkirche (2005)

Das Kloster Allerheiligen auf der Gemarkung von Oppenau im Schwarzwald ist ein heute noch als Ruine vorhandenes ehemaliges Prämonstratenser-Chorherrenstift. Das im Lierbachtal, einem Seitental des Renchtals, gelegene Stift bestand von circa 1195 bis zu seiner Säkularisation 1803 und hatte in dieser Zeit durch seelsorgerische Aufsicht und Klosterschule religiösen und kulturellen Einfluss auf Gebiete des mittleren Schwarzwalds, insbesondere auf das Rench- und das Achertal.

Obwohl an der Gründung Allerheiligens die führenden Adelsgeschlechter Süddeutschlands beteiligt waren und das Stift 1657 zur Abtei erhoben wurde, blieb es auf einen regionalen Wirkungskreis beschränkt und trotz seines langen Bestehens in seiner politischen Bedeutung hinter anderen süddeutschen Klostergemeinschaften zurück. Nach der Auflösung des Stifts zerfielen die Gebäude, bis Mitte des 19. Jahrhunderts die Ruinen als touristische Attraktion wiederentdeckt wurden.

Touristische Nutzung [Bearbeiten]

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Darstellung der Ruine in der Gartenlaube von 1879

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Ruine des Klosters Allerheiligen.

Erste Beschreibungen zum Kloster als touristischer Sehenswürdigkeit erschienen bereits in den 1820er Jahren. Im Forsthaus im Westflügel wurde von Förster Mittenmeier 1844 eine Gaststätte eingerichtet, nachdem ab 1840 die Büttensteiner Wasserfälle über das Lierbachtal touristisch erschlossen wurden und auch die Ruine der Abtei im Zuge der Romantik weitere Reisende anzog. Ebenfalls 1840 verbot die badische Forstdomäne die Benutzung der Ruine als Steinbruch und begann wenige Jahre später mit der Sicherung des Geländes und Erhaltungsmaßnahmen an der Ruine.[44] 1853 besuchte Karl Baedeker die Reste der Abtei und beschrieb sie in seinem Reiseführer, was die Besucherzahl weiter steigerte. 1871 wurde die Gaststätte zu einem dreistöckigen Kurhotel erweitert, bereits 1887 entstand ein zweites Hotelgebäude.

Aufgrund der Erwähnung im Baedeker besuchte auch Mark Twain auf seiner Europareise 1878 die Ruine und beschrieb Abtei, Wasserfälle und das Hotel in seinem Buch A Tramp Abroad:

“All our afternoon's progress had been uphill. About five or half past we reached the summit, and all of a sudden the dense curtain of the forest parted and we looked down into a deep and beautiful gorge and out over a wide panorama of wooded mountains with their summits shining in the sun and their glade-furrowed sides dimmed with purple shade. The gorge under our feet--called Allerheiligen--afforded room in the grassy level at its head for a cozy and delightful human nest, shut away from the world and its botherations, and consequently the monks of the old times had not failed to spy it out; and here were the brown and comely ruins of their church and convent to prove that priests had as fine an instinct seven hundred years ago in ferreting out the choicest nooks and corners in a land as priests have today.”

„Den ganzen Nachmittag ging es bergauf. Um fünf oder halb sechs erreichten wir den Gipfel und plötzlich teilte sich der dichte Vorhang des Waldes und wir schauten in eine tiefe, schöne Schlucht hinunter mit einem weiten Panorama bewaldeter Berge dahinter, deren Gipfel in der Sonne leuchteten und deren von Lichtungen durchzogene Hänge von violetten Schatten gedämpft wurden. Die Schlucht zu unseren Füßen – genannt Allerheiligen – bot am Ende ihres grasbewachsenen Bodens gerade genug Platz für ein abgeschieden von der Welt mit ihren Belästigungen gelegenes, gemütliches, entzückendes Menschennest, und folglich hatten die Mönche der alten Zeit nicht verpasst, es zu entdecken. Hier waren die braunen und anmutigen Ruinen ihrer Kirche und ihres Konvents, die bewiesen, dass auch die Priester vor siebenhundert Jahren bereits den gleichen guten Riecher hatten, die besten Winkel und Ecken eines Landes aufzuspüren, wie heute.“

Mark Twain: A Tramp Abroad[45]